Umstellung auf nachhaltiges und umweltfreundliches Unterrichtsmaterial in der Grundschule – so geht’s!

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Im vorherigen Artikel zu diesem Thema berichtete ich schon, dass ich auf Bali beschloss, „back to the roots“ zu gehen und von plastikhaltigem auf umweltfreundliches und nachhaltiges Unterrichtsmaterial umzusteigen. In diesem Artikel zeige ich euch nun meinen Weg von der Theorie in die Praxis und würde mich total freuen, wenn ihr – der Umwelt und nachfolgenden Generationen zuliebe – in Zukunft einen ähnlichen Weg einschlagen würdet.

1. Ziel festlegen

Der erste Schritt der Umstellung bestand für mich darin, ein Ziel festzulegen. Meins lautete: „Verwendung von Naturmaterialien und nachhaltigem Material statt Plastik“ und sollte sowohl für Unterrichtsmaterialien wie auch für Utensilien, die im Klassenzimmer zum Einsatz kommen, gelten. Das heißt, Plastikkörbchen sollten von nun an Geschichte sein und durch Papp-, Korb- beziehungsweise Metallwaren ersetzt werden. Außerdem nahm ich mir vor, so gut es geht auf Laminierfolien zu verzichten. Stattdessen wollte ich von nun an lieber Realien oder aus Naturmaterialien gefertigtes Material zum Einsatz bringen und bedrucktes Papier auch mal unlaminiert benutzen.

2. Sammelaktion starten

Dass Plastikmaterial im Großen und Ganzen viel günstiger ist als Naturmaterial, ist kein Geheimnis. Von daher bemerkte ich relativ schnell, wie teuer mein Vorhaben werden würde. 3.99 € für ein Holztablett statt 0,99 € für die Plastikvariante. 1,00 € für ein Bastkörbchen statt 0,49 € für ein Plastikkörbchen. 0,89 € für einen Klemmkleiderbügel aus Metall und Holz statt 0,66 € für das Plastikmodell. 2,50 € für eine Holzkiste statt 0,79 € für eine Plastikbox in gleicher Größe. Um nur einige ganz, ganz wenige Beispiele zu nennen.  Da man als Grundschullehrer/-in die „privaten“ Materialausgaben (sprich alles was über Schwamm, Kreide und das Basis-Mobiliar im Klassenzimmer hinaus geht) komplett aus eigener Tasche bezahlen muss, lohnt es sich, eine Sammelaktion zu starten, um sein Ziel möglichst kostengünstig zu erreichen.

Bei Freunden und Bekannten nach Materialien fragen

Ich fragte zunächst bei Verwandten, Freunden und Bekannten nach Naturmaterialien und aus Naturmaterialien gefertigten Waren, die von ihnen nicht mehr gebraucht werden. Dabei traf ich freudigerweise auf großzügige und dankbare Spender, von denen ich u.a. folgendes bekam:

  • Glasmurmeln
  • Holzknöpfe
  • Holzkistchen
  • Körbe in verschiedenen Varianten
  • Holzreststücke
  • Korken
  • Flaschendeckel
  • Pralinenschachteln

Diese Art der Sammelaktion hatte mehrere Vorteile. Erstens sparte ich dadurch Geld. Zweitens musste ich nicht los düsen, um Materialien zu kaufen, sondern bekam sie von den Leuten mitgebracht, wenn wir uns sowieso trafen. Somit sparte ich auch CO2. Drittens sparten meine Verwandten, Freunde und Bekannten an Müll, indem sie die Materialien, die sie in die Tonne geworfen hätten, mir gaben (Stichwort: Upcycling). Und viertens fiel es ihnen eigenen Aussagen zufolge nun leichter, sich von den Materialien zu trennen, da sie wussten, dass sie in der Grundschule gut aufgehoben sind.

Materialien im eigenen Haushalt sammeln

Parallel zu meiner Suchanfrage, die ich an Freunde und Bekannte richtete, begann ich selbst, umweltfreundliche und nachhaltige Verpackungen und nachhaltige Utensilien jeglicher Art in unserem eigenen Haushalt zu sammeln, um daraus Unterrichtsmaterial herzustellen.

Dabei sammelte ich u.a. folgendes:

  • Toilettenpapierrollen
  • Korken
  • Camembert-Schachteln
  • Knoblauch-Körbchen
  • Eierschachteln
  • Gläser mit Metalldeckeln
  • Cremedosen aus Glas
  • Pappschachteln von Kosmetikprodukten

Naturmaterialien unterwegs sammeln

Außerdem sammelte ich unterwegs beim Spazieren gehen Steine, Zapfen, Zweige, Muscheln, Nüsse, Äste etc. pp.

3. Möglichst viele Unterrichtsmaterialien und -utensilien selbst herstellen

Aus all den Sammelsurien versuche ich nun so viele Unterrichtsmaterialien und – utensilien wie möglich selbst herzustellen, um die Umwelt und den Geldbeutel zu schonen, indem ich auf industrielle Herstellung, Verpackungen, Transport und Lieferservices verzichte. Bei der eigenen Herstellung bekomme ich tatkräftige Unterstützung von meinem Freund.

Hinweis: Wie ich die jeweiligen Sammelstücke im Einzelnen verwerte, berichte ich demnächst in einzelnen Beiträgen unter der Rubrik „Schulkonzept“.

4. Restliches Material beim regionalen Händler einkaufen

Für den Fall, dass ich zusätzliche Korbwaren, Holzkästchen oder ähnliches benötige, versuche ich, diese Materialien in der Restposten-Abteilung eines regionalen Händlers zu kaufen. Dadurch möchte ich mir nicht nur einige Euros sparen, sondern zudem auf den Lieferservice großer Versandwarenhäuser und somit auf vermeidbare Verpackung und CO2-Ausstoß verzichten.

Hinweis: Wenn ihr in eurer Umgebung keinen regionalen Händler habt, bei dem ihr entsprechendes Material einkaufen könnt, dann bestellt benötigtes Material möglichst gesammelt, um Umweltbelastungen durch Verpackung und Transport zu verringern.

5. Materialien bewusst kaufen und einsetzen

Beim Kauf achte ich zudem darauf, nicht zu hamstern, sondern mir die Fragen zu stellen: Brauche ich das wirklich? und Wozu konkret brauche ich das? Das heißt, ich möchte zum Schutz der Umwelt jegliche Materialien zukünftig wirklich bewusst einsetzen und bewusst kaufen. Also nur so viel kaufen, wie ich auch tatsächlich brauche.

Das war bis vor Kurzem ehrlich gesagt noch etwas anders. Einiges landete unreflektiert in meinem Einkaufskorb, nach dem Motto: Könnte ich vielleicht irgendwann gebrauchen (die Grundschullehrerinnen und -lehrer unter euch kennen das bestimmt 😉). Dem möchte ich mich zukünftig entziehen, indem ich erst einkaufen gehe, nachdem ich meine Unterrichtsplanungen geschrieben habe. In der Hoffnung, dass ich dann ganz konkret weiß, welches Material ich benötige und nichts mehr Unnötiges einkaufe.

Fazit zur Umstellung auf nachhaltiges und umweltfreundliches Material im Unterricht

Insgesamt muss ich zugeben, dass die Umstellung von plastikhaltigem auf nachhaltiges und umweltfreundliches Unterrichtsmaterial nicht leicht ist. Das hat mehrere Gründe. Erstens bin ich an Plastikmaterial gewöhnt und greife daher oft automatisch zu Plastik. Wie zum Beispiel vor Kurzem in einem schwedischen Möbelhaus, als ich eine niedliche Plastikgießkanne entdeckte und sie unüberlegt in den Einkaufswagen legte, bis mich mein Freund erinnerte, dass ich doch eigentlich auf Plastik verzichten wollte. Zweitens ist leider in nahezu jedem Produkt, das man zu kaufen bekommt, Plastik enthalten, was den Plastikverzicht zu einer echten Herausforderung macht. Drittens ist die Umstellung eine Preisfrage, der ich mich im Grunde nur stellen kann, indem ich von Verwandten und Freunden kostenlose „Abfallprodukte“ bekomme und darüber hinaus selbst in meinem Haushalt und unterwegs Abfall- und Naturmaterialien sammle, die ich upcycle und dadurch zu Unterrichtsutensilien und Unterrichtsmaterialien umwandle, wodurch ich den Kauf von Rohstoffen reduziere.

Alles in allem nehme ich diese Herausforderung der Umstellung allerdings gerne an. Schließlich hält sie fit, macht Spaß, sorgt für Abwechslung in der Herstellung, bringt mich zum Nachdenken und lässt mich das Gefühl haben, etwas Gutes für die Umwelt und für nachfolgende Generationen zu tun. Zudem sieht die umweltfreundliche Alternative an Unterrichtsmaterialien und -utensilien wie ich finde auch wirklich schön aus und lädt die Kinder durch ihre gute Haptik zur Benutzung ein.

Feedback

Wie schaut es bei euch aus? Habt ihr schon einmal über eine Umstellung von plastikhaltigem auf nachhaltiges und umweltfreundliches Unterrichtsmaterial nachgedacht oder verwendet ihr generell plastikfreies Material in eurer Schule? Wenn ja, auf welche Materialien greift ihr dabei zurück? Wie immer freue ich mich über eure Kommentare.

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