Willkommensbüro – Persönliches Begrüßungsritual in der Grundschule

Willkommensbüro-Begrüßungsritual-Kinder-Klassenzimmer-Grundschule-schoolpioneer

Gerade in unserer schnelllebigen Zeit, in der größtenteils Hektik, Stress und Smartphones die Begegnungen und unser soziales Miteinander bestimmen, finde ich eine persönliche Begrüßung im Klassenzimmer ganz wichtig, um nachfolgende Generationen wieder an einen freundlicheren, respektvolleren Umgang heranzuführen. Eine gute Möglichkeit, eine individuelle Begrüßung in der Lerngruppe zu ritualisieren und gleichzeitig die Werteerziehung und die Klassengemeinschaft zu fördern, bietet die Etablierung eines Willkommensbüros.

Wie kam ich auf die Idee des Willkommensbüros?

Auf die allgemeine Idee, ein persönliches Begrüßungsritual in meiner Lerngruppe zu etablieren, kam ich unterwegs. Als reisende Grundschullehrerin sah ich bei meinen Schulbesuchen in Thailand, Mexiko und Kuba wie die Kinder morgens vom Schulleiter oder einer Lehrkraft auf dem Schulhof persönlich in Empfang genommen wurden. Der gegenseitige Respekt und die Freundlichkeit, die man sich durch die Begrüßung entgegenbrachte, begeisterten mich. Man fühlte sich durch die persönliche Begrüßung gleich in der Schule willkommen.

Impuls für das Willkommensbüro durch ein YouTube-Video

Die konkrete Idee für das Willkommensbüro bekam ich letztlich durch ein YouTube-Video, das ich zufällig in Costa Rica sah. In dem Video stand ein Kindergartenkind am Gruppenraumeingang und nahm die anderen Kinder seiner Gruppe persönlich in Empfang. Die Begrüßungsart durfte jedes Kind selbst festlegen. Dazu deutete es mit dem Finger auf eines der vier Symbole, die auf einem Blatt abgedruckt waren, das neben dem „Begrüßungskind“ auf einem Regal lag. Insgesamt konnten die Kinder in dem Video zwischen einer Umarmung, einem Handschlag, High Five und einem Faustgruß wählen.

Das Video berührte mich durch seine Freundlichkeit, Herzlichkeit und Positivität. Und es schien eine sinnvolle Ergänzung zu der persönlichen Begrüßung auf dem Pausenhof zu sein, die ich unterwegs in den verschiedenen Schulen sah. Schließlich wurden dort die Kinder „nur“ von einer Lehrperson beziehungsweise der Schulleitung begrüßt.

Vom Impuls zur Idee

Von daher entschloss ich mich, die Idee mit der persönlichen Begrüßung im Klassenzimmer aus dem Video aufzugreifen und für mich in etwas abgewandelter Form umzusetzen. Denn das Blatt Papier mit den vier aufgedruckten Symbolen auf dem Regal war im Prinzip eine gute Sache. Einfach und schnell umsetzbar. Dennoch befindet sich nicht an jedem Klassenzimmereingang ein Regal und das Plakat einfach an die Tür oder an die Wand hängen, wollte ich auch nicht. Schließlich ist eine persönliche, freundliche und vor allem bewusste Begrüßung in unserer schnelllebigen, gestressten Zeit – wie ich finde – etwas Besonderes und darf als solches ruhig auch Raum finden. Also entschloss ich mich, das Begrüßungsritual von der optischen Gestaltung her für die Kinder und mich zu etwas „Besonderem“ zu machen. Und so kam mir die Idee für das Willkommensbüro.

Von der Idee zur praktischen Umsetzung

Die Ansprüche für die praktische Umsetzung waren schnell klar. Freistehend und portabel sollte das Willkommensbüro sein. Ins Auge sollte es fallen. Eine leichte Bedienbarkeit war quasi Gesetz. Aktivierend und motivierend sollte es sein. Und auch Flexibilität und Nachhaltigkeit wollten bei der Umsetzung beachtet werden. Da ich ein großer Upcycling-Fan bin, lag ein ausgedienter Holzbalken, den ich in der Garage meines Elternhauses fand, als Basis schnell auf der Hand.

Nachdem ich mir eine erste Skizze gemacht hatte, überlegte ich, welcher Name für das Arrangement passend wäre. Dabei entschied ich mich nach einigen Überlegungen und Wortspielereien für den Begriff „Willkommensbüro“.

Was versteckt sich hinter dem Begriff „Willkommensbüro“?

Hinter dem Begriff „Willkommensbüro“ versteckt sich insgesamt nicht viel mehr als ein ausgedienter Holzbalken, an der eine Bambus-Drehteller (ø 35 cm) hängt, auf der vier verschiedene Begrüßungsmöglichkeiten symbolisiert sind. Durch Drehen auf das entsprechende Symbol darf jedes Kind jeden Morgen eine Begrüßungsform auswählen, mit der es persönlich vom „Mitarbeiter des Willkommensbüros“ im Klassenzimmer begrüßt werden möchte. Das sorgt nicht nur für die nötige Motivation, sondern aktiviert die Kinder auch.

Begrüßung-Willkommensbüro-Klassenzimmer-Grundschule

Damit das Willkommensbüro portabel bleibt, habe ich den Holzbalken zudem mit Winkeln auf einen stabilen Holzblock geschraubt und daran vier Rollen angebracht. Den Platz auf dem Holzblock neben des Holzbalkens werde ich für jahreszeitliche Deko nutzen. So fördere ich durch den Einsatz des Willkommensbüros auch noch gleich den Lernbereich „Zeit“ (Stichwort: Jahreszeiten, Jahresverlauf). Außerdem werde ich – sobald ich wieder zuhause bin – noch ein „Herzlich Willkommen“-Schild anbringen und das Ganze noch ein bisschen „aufhübschen“.

Willkommensbuero-Eingangstuer-Klassenzimmer-Begruessungsritual-Grundschule

Welche Begrüßungsformen beinhaltet das Willkommensbüro?

In meiner Ursprungsversion legte ich beispielhaft folgende vier Begrüßungsformen fest, die ich in Form von Symbolen ausgedruckt und mit Klebegummi auf die vier runden Korkuntersetzer geklebt habe:

  • Umarmung
  • Küsschen links – Küsschen rechts
  • Händeschütteln
  • High Five

Insgesamt werde ich es jedoch so handhaben, dass die Kinder entscheiden dürfen, welche Begrüßungsformen wir aufnehmen. Deshalb sind die Symbole auf den Korkuntersetzer auch nur mit Klebegummi befestigt, sodass man sie problemlos ersetzen kann. Wenn man Kinder mit Migrationshintergrund in seiner Lerngruppe hat, bietet es sich an, Begrüßungsformen aus anderen Ländern aufzunehmen. Das fördert auch gleich den kulturellen Austausch.

Hinweis: Um die Begrüßung am Morgen für die Kinder abwechslungsreich zu gestalten, werde ich die vier Begrüßungsarten auf der Drehscheibe gemeinsam mit den Kindern in ritualisiertem Zyklus ändern.

Tipp: Wenn man mit dem Willkommensbüro zusätzlich das Lesen fördern möchte, kann man die Begrüßungsformen statt symbolisch auch schriftlich auf den Korkuntersetzern festhalten. Dabei darf jedes Kind morgens die Drehscheibe drehen und seine gewünschte Begrüßungsform dem „Mitarbeiter des Willkommensbüros“ vorlesen. Gegenseitige Kontrolle inklusive 😉.

Wie kann ich das Willkommensbüro in meiner Lerngruppe einführen?

Ich werde bei der Einführung des Willkommensbüros so vorgehen, dass wir zunächst einmal gemeinsam besprechen, WAS das Willkommensbüro ist. Dazu werde ich die Kinder in den Kinokreis bitten und das Willkommensbüro als stummen Impuls in die Kreismitte rollen. Da Eindruck bekanntlich Ausdruck erfordert, dürfen sich die Kinder anschließend in Form einer Meldekette dazu äußern.

Danach werden wir gemeinsam thematisieren, WARUM wir ein Willkommensbüro in unserer Lerngruppe etablieren. An der Stelle möchte ich den Kindern die Gelegenheit geben, darüber nachzudenken, welchen Sinn eine freundliche Begrüßung am Morgen macht. Dabei werden wir speziell auf die damit in Zusammenhang stehenden Gefühle eingehen.

Im Anschluss werden wir besprechen, WIE das Willkommenbüro funktioniert und WIE man es richtig bedient. Dazu werde ich das Willkommensbüro an die Eingangstür stellen, vier freiwillige Kinder auswählen und alle vier Begrüßungsarten exemplarisch vormachen. Anschließend dürfen sich die Kinder der Reihe nach gegenseitig mithilfe des Willkommensbüros begrüßen, bevor wir das Willkommensbüro zurück an seinen festen Platz im Klassenzimmer rollen.

Abschließend werden wir uns wieder im Kinokreis versammeln und reflexiv das Job-Profil eines Willkommensbüro-Mitarbeiters erarbeiten. Am Ende füllen wir dann noch gemeinsam die Mitarbeiter-Liste aus und der erste Mitarbeiter/die erste Mitarbeitern darf sich ein Faltbuch nehmen, das ihm hilft, sich ein wenig auf den Job vorzubereiten 😉.

Das Faltbuch könnt ihr euch durch einen Klick auf den Download-Button kostenlos herunterladen:

Wer „arbeitet“ im Willkommensbüro?

Eigentlich kann man es so handhaben, dass die Lehrperson jeden Morgen das erste Kind in Empfang nimmt und anschließend immer das Kind, das an der Reihe war, das nächste Kind begrüßt. Da ich mit dem Willkommensbüro in meiner Lerngruppe allerdings auch die Selbstreflexion fördern möchte, wird in unserer Lerngruppe jede Woche ein anderes Kind „Mitarbeiter der Woche“ im Willkommensbüro sein. Das heißt, der Job rotiert. Ich als Lehrperson verstehe mich dabei als Teil der Lerngruppe.

Welche Aufgaben warten auf den Mitarbeiter des Willkommensbüros?

Als Mitarbeiter des Willkommensbüros gilt es eine Woche lang mehr oder weniger folgende Aufgaben pflichtbewusst und zuverlässig zu erledigen:

  • Jeden Morgen sehr pünktlich am Klassenzimmer sein.
  • Die Tür zum Klassenzimmer öffnen.
  • Den Schulranzen zügig an den Platz bringen.
  • Das Willkomensbüro an die Eingangstür stellen.
  • Jede/jeden aus der Lerngruppe freundlich begrüßen.
  • Jede/jeden aus der Lerngruppe mit der gewünschten Begrüßungsform begrüßen.
  • Das Willkommensbüro zurück an seinen Platz stellen.

Die Reihenfolge, in der die Kinder den Job im Willkommensbüro übernehmen, legen wir per Losentscheid fest. Parallel dürfen sich die Kinder in die Mitarbeiterliste eintragen. Wenn ein Kind krank ist, springt das Kind, das in der darauffolgenden Woche an der Reihe wäre, im Tausch ein.

Die Mitarbeiterliste könnt ihr euch durch einen Klick auf den Download-Button kostenlos herunterladen:

Für welche Klassenstufen ist das Willkommensbüro geeignet?

Ich bin der Meinung, dass man mit dem Willkommensbüro nicht früh genug starten kann. Daher setze ich es von Beginn an in allen Klassenstufen ein. Durch die austauschbaren Symbole beziehungsweise Schriftzüge auf den Korkuntersetzern können die Kinder mitgestalten. Dadurch finden altersspezifische Interessen und Bedürfnisse Berücksichtigung. Gleichzeitig kann jedes Kind jeden Morgen seine bevorzugte Begrüßungsform auf der Drehscheibe auswählen, wodurch sowohl introvertierte wie auch extravertierte Charaktere beachtet werden.

Warum lohnt es sich, ein Willkommensbüro in seiner Lerngruppe zu etablieren?

Durch die Etablierung eines Willkommensbüros baut man eine Umgangskultur auf, die sich durch ein gemeinsames Ritual und damit verbunden Respekt, Wertschätzung und Toleranz auszeichnet („Ich begrüße jede/jeden aus meiner Lerngruppe freundlich in der gewünschten Begrüßungsform“). Das fördert sowohl die Schüler-Schüler-Beziehung wie auch die Schüler-Lehrer-Beziehung. Parallel erfährt jedes Kind zu Beginn des Schultages durch die persönliche und individuelle Begrüßung das Gefühl: Ich werde wahrgenommen. Dadurch fühlen sich die Kinder in ihrer Lerngruppe sicher und willkommen. Man schafft also beste Lernvoraussetzungen.

Gleichzeitig legt man durch den Einsatz des Willkommensbüros einen Grundstein für eine konstruktive Arbeitskultur, indem Arbeitstugenden wie Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit angebahnt werden und jedes Kind seine Mitarbeit im Willkommensbüro selbst reflektieren darf.

Nebenbei lernen die Kinder durch den Einsatz des Willkommensbüros Entscheidungen zu treffen, indem sie die Drehscheibe jeden Morgen auf eine von ihnen gewünschte Begrüßungsform richten.

Insgesamt erfordert das Willkommensbüro in der Umsetzung so gut wie keinen Aufwand. Einmal gebastelt und eingeführt, können es die Kinder eigenständig nutzen, wodurch nicht zuletzt auch personale Kompetenzen, wie beispielsweise die Selbstständigkeit, gefördert werden.

Tipp: Da ich selbst einmal Fachlehrerin war, weiß ich, wie kompliziert der Einsatz solch aufwändiger und gewichtiger Basteleien im Unterrichtsalltag ist. Von daher habe ich extra für Fachlehrer zusätzlich zu dem „Original-Willkommensbüro“ noch ein „Willkommensbüro to go“ erstellt. Dazu braucht man nur einen runden Topfuntersetzer aus Kork, ein Stück Pappe in derselben Größe (dient der Stabilität auf der Rückseite), vier Astscheiben (ø ca. 3,5 cm) und eine Musterbeutelklammer. Diese Version ist nicht nur leicht herzustellen, sondern kann auch problemlos in die verschiedenen Klassenzimmer transportiert werden. Ein Foto folgt, sobald ich wieder zuhause bin 😉.

Willkommensbüro selbst bauen – so geht’s!

Wenn ihr in eurer Lerngruppe auch ein Willkommensbüro etablieren wollt, könnt ihr in diesem Artikel Schritt für Schritt nachlesen, wie man ein Willkommensbüro ganz einfach selbst bauen kann. Ergänzend findet ihr dort auch gleich eine Shopping-Liste 😉.

Alternativ könnt ihr euch im Folgenden die Graphiken für eine Drehscheibe aus Papier downloaden:

Sie tut ähnliche Dienste wie das „original“ Willkommensbüro und ihr braucht zur Herstellung nur einen Drucker, dickes Papier, eine Schere und eine Musterklammer.

P.S. Ich würde mich total freuen, wenn ihr in den Kommentaren von euren Praxiserfahrungen mit dem Willkommensbüro berichten würdet.

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei