Montessori School Bali – Rahmenbedingungen für die Unterrichtsorganisation

Montessori-School-Bali

Schon während des Studiums und auch während des Vorbereitungsdienstes las ich immer wieder über die Montessoripädagogik. Allerdings ohne sie jemals live erlebt zu haben. Daran wollte ich als reisende Grundschullehrerin etwas ändern. Auf Bali wollte ich mir endlich mal die Zeit nehmen und eine Montessori-Schule besuchen.

Deshalb suchte ich im Internet nach entsprechenden Schulen auf der Insel. Mit überraschendem Erfolg. Ich konnte eine Montessori-Schule ganz in der Nähe meiner Unterkunft finden. Und das Beste: Anastasia, die Assistentin der Schulleitung, hieß mich auf E-Mail-Anfrage direkt dort willkommen. Sie schlug den nahe bevorstehenden Tag der offenen Tür als Termin für ein erstes Kennenlernen vor.

Schulgelände-Montessori-School-Bali

Der Tag der offenen Tür

Am Tag der offenen Tür besuchte ich die Montessori School Bali in Kuta Utara also zum ersten Mal. Dort angekommen, waren der Parkplatz und das Eingangstor von Security-Personal überwacht. Als Besucher erhielt man aus Sicherheitsgründen erst Zutritt auf das Schulgelände, nachdem man sich in einem kleinen Kabäuschen beim Security-Personal registriert hatte.

Auf dem Schulgelände angekommen, wurde ich von der Schulleiterin Jan freundlich begrüßt. Außerdem bekam ich von ihr einen Lageplan ausgehändigt.

Lageplan-Montessori-School-Bali

Lageplan der Montessori School Bali (Stand: Mai 2018, Quelle: Montessori School Bali)

Das Schulgelände der Montessori School Bali

Wie ich anhand des Plans und durch weitschweifende Blicke über das Gelände erkennen konnte, bestand die Montessori School Bali nicht aus einem einzigen Gebäudekomplex, sondern aus mehreren, voneinander getrennt stehenden Gebäudeeinheiten. Dadurch hatte man zu jedem Klassenraum barrierefreien Zugang. Außerdem gab es auf der Anlage sehr viel grüne Fläche, die zum Verweilen einlud.

Neben der Grünfläche gab es einen großen Raum für die Toddlers, das heißt für Kinder im Alter zwischen 18 Monaten und drei Jahren. Eine Gebäudeeinheit bestehend aus einem Yoga-Raum und zwei Kindergartenräumen für die 3-6 Jährigen. Eine weitere Gebäudeeinheit bestehend aus zwei Klassenzimmern für die 6-9 Jährigen. Und eine Gebäudeeinheit bestehend aus der Bücherei und dem Klassenzimmer der 9-12 Jährigen. Außerdem blickte ich auf ein Verwaltungsgebäude und ein Vivarium.

Grünes-Schulgelände-Montessori-School-Bal

Ausgestattet mit dem Lageplan, machte ich mich auf den Weg zu den einzelnen Klassenzimmern. Unterwegs bewunderte ich einmal mehr den hohen Grünanteil des Schulgeländes. Lediglich die Wege auf dem Schulhof waren aus Beton. Der Rest des Schulhofes bestand aus grünen Wiesen.

Grünanteil-des-Schulgeländes-Montessori-School-Bali

Die Klassenräume der Montessori School Bali

Den ersten Stopp legte ich bei der Garden Class ein, die ihren Namen übrigens nicht erhielt, weil sie besonders oft im Schulgarten aktiv ist, sondern weil sie im alten Schulhaus einen Blick auf den Garten hatte. Bevor ich den Klassenraum der Garden Class betreten durfte, wurde ich gebeten, meine Schuhe auszuziehen. Dieses Ritual galt auch später in allen anderen Klassenräumen, da man dadurch im Schulalltag den Dreck aus den Räumlichkeiten fernhalten und den Füßen den nötigen Freiraum gönnen möchte.

Die Architektur des Klassenraumes

Im Klassenraum angekommen, war ich begeistert, wie großflächig und lichtdurchflutet er war. Das Licht fiel durch die bodentiefen Fenster herein, die den gesamten Klassenraum umsäumten. Dadurch war es in dem Raum nicht nur schön hell, sondern die Kinder konnten auch unabhängig von ihrem Sitzplatz und ihrer Körpergröße nach draußen blicken. Gut klimatisiert und super sauber war der Raum nebenbei auch.

Klassenraum-Montessori-School-Bali

Die „Vorbereitete Lernumgebung“ an der Montessori School Bali

Zusätzlich sah ich im Klassenraum eine Vielzahl an strukturierten und kindgerechten Materialien, die – wie mir die Klassenlehrerin erzählte – die Kinder in Form einer vorbereiteten Lernumgebung im Schulalltag zum Lernen einladen.

Preschool-Klassenzimmer-Montessori-School-Bali

Die äußere Ordnung der Montessori-Materialien

Geordnet waren diese Materialien – wie in der Montessori-Pädagogik üblich –  in fünf Fachbereiche („Übungen des täglichen Lebens“, „Sinne“, „Mathematik“, „Sprache“, „kosmische Erziehung“). Durch diese übersichtliche, klar strukturierte äußere Ordnung möchte man  die Kinder darin fördern, sich selbst zu strukturieren und eine innere Ordnung zu entwickeln.

Materialbereich-Mathematik-Preschool-Montessori-School-Bali

Die physiologische Anpassung des Materials

Nebenbei standen in dem Raum alle Materialien in Greifhöhe der Kinder. Auch das Mobiliar war hinsichtlich seiner Größe den Proportionen der Kinder angepasst. Durch die physiologische Anpassung sollen die Materialien die Kinder zur Benutzung auffordern. Es ihnen ermöglichen, selbstständig und weitgehend unabhängig vom Erwachsenen damit umzugehen und zu lernen.

Physiologische-Anpassung-des-Materials-Toddlers-Montessori-School-Bali

Anpassung des Materials an die sensiblen Phasen der Kinder

Zudem war die vorbereitete Umgebung samt dem zur Verfügung gestellten Material – wie mir die Klassenlehrerin weiter erklärte – inhaltlich an die sensiblen Phasen der Kinder angepasst. Dadurch möchte man der Tatsache Rechnung tragen, dass die Kinder im Laufe ihrer Entwicklung für bestimmte Lernvorgänge und Umwelteinflüsse besonders sensibel sind und neue Tätigkeiten in diesen Bereichen mit besonderer Leichtigkeit, Intensität und Freude erlernen.

Sensible-Phase-Toddlers-Montessori-School-Bali

Wie ich außerdem von Lidia erfuhr, trägt hier an der Montessori School Bali immer die Klassenlehrerin beziehungsweise der Klassenlehrer die Verantwortung für die vorbereitete Umgebung. Jedoch nicht ohne dass auch den Kindern eine verantwortungsvolle Aufgabe zukommt. So liegt es an ihnen, die Lernumgebung samt allen zur Verfügung gestellten Materialien zu pflegen. Sie sollen erleben, was Zusammenarbeit bedeutet. Und sie sollen erfahren, wie diese gelingt. Durch gegenseitige Unterstützung.

Unterricht an der Montessori School Bali

Nachdem ich in der Garden Class in erster Linie Infos zur Lernumgebung erhielt, erfuhr ich anschließend in der Upper Primary Class von der dortigen Klassenlehrerin Susan einiges über den Unterricht an der Montessori School Bali.

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Material als Basis des Unterrichts

Zuerst ging die Klassenlehrerin dabei auf die besondere Stellung des Materials ein. Sie erklärte mir, dass das Material hier an der Montessori School Bali – gemäß den Überzeugungen der Gründerin – die Basis des Unterrichts bildet. Dabei soll das Material den Kindern nicht nur die Möglichkeit bieten, individuell und selbstständig zu lernen. Mehr noch soll durch einen ganzheitlichen, handlungsorientierten Unterricht eine Zusammenführung von Schule und Leben geschaffen werden. Die Kinder sollen die Möglichkeit haben, in der Schule etwas mit Kopf, Herz und Hand zu lernen. Inhalte und Strukturen selbst forschend entdecken dürfen. Und zwar in allen Fächern.

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Lerninhalte in einem materialbasierten offenern Unterricht

Die Lerninhalte an den Montessori-Schulen gleichen dabei im Kern denen staatlicher Schulen. Allerdings wird der Lernstoff hier in allen Fächern alternativ auf Basis von Material erarbeitet, wie mir die Klassenlehrerin weiter erklärte.

Individuelles und selbstständiges Lernen durch materialbasierten offenen Unterricht

Bezüglich der Frage, inwiefern die Kinder an der Montessori School Bali durch das Material konkret die Möglichkeit erhalten, selbstständig und individuell zu lernen, erklärte mir Susan, dass die Kinder grundsätzlich während der Freiarbeit die Möglichkeit haben, mit dem Material zu lernen. Sie dürfen in dieser Zeit das Material, mit dem sie arbeiten möchten, frei wählen und entsprechend des individuellen Lerntempos damit arbeiten. So haben sie auch die Möglichkeit, einen eigenen Arbeitsrhythmus zu finden.

Individuelles-Lernen-im-Rahmen-der-Freiarbeit-Montessori-School-Bali

Konglomerat aus Montessori-Materialien und Zusatzmaterial

Da durch die originalen Montessori-Materialien v.a. im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich nicht alle Anforderungs- und Interessenbereiche abgedeckt sind, so Susan weiter, werden diese nach Bedarf durch geeignetes „Zusatzmaterial“ ergänzt. In ihrer Lerngruppe hätten Eltern zum Beispiel Mikroskope gekauft, damit deren Kinder im Bereich DNA weiter forschen konnten. Und ihr Klassenzimmer sei mit einem PC und einem Drucker ausgestattet.

Konglomerat-aus-Montessori-Material-und-Zusatzmaterial-Upper-Primary-Class-Montessori-School-Bali

Damit war die Frage, wie man den individuellen Interessen der Kinder einer Lerngruppe gerecht wird, geklärt. Aber ich wollte noch etwas wissen. Wie geht man damit um, wenn sich ein Kind einen Lerninhalt nicht konkret mithilfe von Material, sondern abstrakt erschließen möchte?

Material als Lernhilfe, nicht als Lernersatz!

Dazu erklärte mir die Klassenlehrerin, dass die Materialien lediglich den Ausgangspunkt bilden. Wenn sich ein Kind einen Lerninhalt auf abstraktem Weg erschließen möchte, darf es dies selbstverständlich tun. Das Material kann dabei als Hilfe zum besseren Verständnis dienen. Keineswegs soll der Umgang mit dem Material jedoch das Denken ersetzen. Im Gegenteil, beides soll in Wechselwirkung zueinander stehen.

Organisation des Unterrichts an der Montessori School Bali

Da mich der materialbasierte Unterricht, wie er an der Montessori School Bali stattfand, sehr interessierte, wollte ich unbedingt noch wissen, wie hier der Unterricht organisiert ist.

Offener Unterricht – Unterrichtsbausteine

Diesbezüglich erklärte mir Susan, dass die Richtlinien, die für alle Schulen gelten, auch für Montessori Schulen verbindlich sind Das heißt, der äußere Rahmen ist im Großen und Ganzen derselbe (Unterrichtszeit: 8.30 – 14.30 Uhr). Allerdings gestaltet man die Zeit dazwischen deutlich anders als in traditionellen Schulen. Man folgt hier keinem in Fächer durchgetakteten Stundenplan. Vielmehr sieht man von einer Fächerunterteilung ab und setzt den Unterricht stattdessen aus mehreren Bausteinen zusammen. Dadurch möchte man Freiräume schaffen.

Freiarbeit

Der wesentlichste Baustein und gleichzeitig das Herzstück der Montessoripädagogik ist – wie ich erfuhr – die Freiarbeit. Hier erarbeiten sich die Kinder viele Lerninhalte, die an staatlichen Schulen im Fachunterricht behandelt werden, eigenständig und mithilfe selbst gewählter Materialien.

In den Freiarbeitsphasen kommt den Kindern große Entscheidungsfreiheit zu. Sie entscheiden, was sie lernen, wie sie es lernen, mit wem sie es lernen, wo sie es lernen und wann sie es lernen. Dadurch folgt man bezüglich der Themenverteilung innerhalb eines Schuljahres keinem starren Plan, sondern die Kinder legen selbst fest, zu welcher Zeit im Jahr sie welches Thema bearbeiten.

Individuelle-Wahl-des-Lernortes-Freiarbeit-Montessori-School-Bali

Zu Beginn jeder Freiarbeitsphase entscheiden sie sich für ein Thema ihrer Wahl. Anschließend suchen sie sich nach Bedarf aus dem Pool an dazu verfügbaren Lernmaterialien entsprechendes Bearbeitungsmaterial aus. In der Folge können die Kinder dann noch entscheiden, ob sie das Thema alleine oder möglicherweise in einer Lerngruppe bearbeiten möchten. Auch den Bearbeitungsort dürfen sie selbst bestimmen. So kann ein Thema am Platz ebenso wie auf dem Boden oder draußen auf der Veranda bearbeitet werden.

Freiarbeit-Montessori-School-Bali

Freiarbeit bedeutet nicht Willkür!

Völlige Willkür bedeute die freie Wahl des Themas und der Bearbeitung in der Schlussfolgerung natürlich nicht, wie mir die Klassenlehrerin versicherte. Vielmehr hält man die Kinder dazu an, selbstständig Entscheidungen zu treffen, die geleistete Arbeit zu dokumentieren, Arbeitspläne zu führen und das eigene Lernen zu strukturieren. Man unterstützt sie also darin, selbstständig, diszipliniert und ausdauernd zu arbeiten. Nur eben interessengeleitet, dem individuellen Lerntempo entsprechend und in frei gewählter Sozialform.

Für mich klang „Dokumentieren“ und „Arbeitspläne führen“  erst einmal sehr anspruchsvoll. Dazu erklärte mir die Klassenlehrerin, dass die Kinder bereits im Kindergarten ganzheitlich und handlungsorientiert lernen, wie das geht. Dadurch verfügen sie schon früh über die notwendige Kompetenz. Sie wissen: This is how we do it! Auch die Methoden, die Materialien und deren Ablauf stellt die Lehrperson rechtzeitig vor und vermeidet so eine Überforderung mangels Kompetenz, wie sie mir versicherte.

Selbstkontrolle als Methode

Ihre Arbeit kontrollierten die Kinder meistenteils selbst, so die Klassenlehrerin weiter. Damit eine Selbstkontrolle gelingen kann, sind die Materialien entsprechend ausgestattet. Darüber hinaus bekommen die Kinder erklärt, wie man eine Selbstkontrolle richtig durchführt.

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Dadurch dass sie sich selbst kontrollieren, lernen sie, ihre eigenen Fähigkeiten und Grenzen besser einzuschätzen. Außerdem kann durch die Methode der Selbstkontrolle der Unterrichtsfluss erhalten bleiben. Die Kinder müssen sich nicht zur Kontrolle in einer Warteschleife bei der Lehrperson tummeln, sondern können nach der Selbstkontrolle in ihrem Lernprozess einfach voranschreiten, so die Klassenlehrerin.

Projektarbeit

Ergänzt wird die Freiarbeit durch einen weiteren Baustein: die Projektarbeit. Im Rahmen dieser bearbeiten die Kinder ein selbst gewähltes Thema über einen längeren Zeitraum hinweg. Auch wissenschaftliches Arbeiten und vernetztes Denken lernen sie dadurch. Projektarbeit ist laut der Klassenlehrerin daher ein wichtiger Baustein des Unterrichts.

Klassenunterricht

Den dritten Baustein bildet der Klassenunterricht. Diesen nutzt man, wie sie mir erklärte, um Informationen bekannt zu geben, ein besonderes Ereignis zu feiern oder etwas allgemein Wichtiges (z.B. Klassenregeln etc.) zu besprechen. Außerdem dient der Klassenunterricht dem gegenseitigen Austausch – zum Beispiel in Form eines Morgenkreises. Zudem werden im Klassenunterricht manchmal auch fachgebundene Themen gemeinsam besprochen und diskutiert.

Selbstorganisiertes Lernen zuhause statt Abarbeiten von Hausaufgaben

Ergänzt wird die Arbeit in der Schule durch das Lernen zuhause, so die Klassenlehrerin weiter. Allerdings nicht in Form verpflichtender Hausaufgaben, die es bis zum nächsten Tag abzuarbeiten gilt. Vielmehr befassen sich die Kinder zuhause mit selbst gewählten Aufgabenstellungen.

Das können entweder Aufgabenstellungen sein, die in der Schule begonnen wurden und nun zu Hause fortgeführt werden. Oder die Kinder finden eine Aufgabenstellung originär zuhause und gehen dieser in der Schule weiter nach. Letztere Variante ermöglicht auch, dass bei Kindern Interessen geweckt werden können, die in der Schule vielleicht nicht geweckt worden wären. Denn eine neue Umgebung wirkt bekanntlich inspirierend.

Organisation in jahrgangsgemischten Lerngruppen

Wichtig zu erwähnen sei noch, dass der Unterricht in der Montessori School Bali entsprechend den Vorstellungen Maria Montessoris in jahrgangsgemischten Lerngruppen stattfinde, so die Klassenlehrerin. Dadurch fördere man das soziale Lernen in besonderer Weise. Die Kinder lernen ganz selbstverständlich, sich gegenseitig zu unterstützen. Sie erfahren ihren eigenen Wert, lernen gleichzeitig aber auch Offenheit – gerade bezüglich Jüngeren – zu erbringen. Denn sie bemerken, dass man nicht nur als Jüngerer etwas von einem Älteren lernen kann, sondern durchaus auch umgekehrt.

Tischgruppen-Lernen-in-jahrgangsgemischten-Lerngruppen-Montessori-School-Bali

Aber noch etwas anderes lernen die Kinder in jahrgangsgemischten Gruppen: Sich etwas gegenseitig zu erklären! Indem sie anderen etwas erklären, überprüfen und festigen sie das eigene Wissen. Durch das Lernen im Gespräch hätten die Kinder aber auch die Möglichkeit, das eigene Wissen zu ergänzen beziehungsweise anzupassen. Somit birge diese Art zu lernen wirklich für alle Chancen in sich, so die Klassenlehrerin.

Veränderte Rolle der Lehrperson

Natürlich geht mit der veränderten des Form des Unterrichts und der veränderten Klassenzusammensetzung auch eine veränderte Rolle der Lehrperson einher, wie mir die Klassenlehrerin verriet. Sie sei nicht mehr diejenige, die an der Tafel stehe und etwas lehre. Vielmehr sei sie bei den Kindern im Raum, beobachte, höre zu und berate. Die Lehrperson sei also kein richtiger Lehrer mehr, sondern vielmehr ein Lernbegleiter.

Damit diese Lernbegleitung gelingen kann, müssen natürlich auch wieder bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt werden. Die Korrektur von Klassenarbeiten und Tests entfällt. Dafür müssen Beobachtungen dokumentiert und Beurteilungen geschrieben werden.

Dokumentieren-Lernbegleiter-Montessori-School-Bali

Dazu muss die Lehrperson die Arbeit und den Entwicklungsprozess jedes einzelnen Kindes zuverlässig und detailliert dokumentieren. Denn nur so erkennt sie die Fortschritte jedes Kindes und kann es auf Basis ihrer Beobachtungen und Dokumentationen gemäß dem Grundsatz „Hilf mir, es selbst zu tun!“ optimal unterstützen. Dabei ist die erzieherische Aufgabe sehr anspruchsvoll. Die Klassenlehrerin präzisierte, dass die Lehrperson jedem Kind mit Bedacht Raum für seine individuelle Entwicklung geben muss. Dabei sei eine Balance zwischen helfen und zuvorkommen zu finden, nicht immer leicht.

Veränderte Rolle der Eltern

Zudem erklärte mir die Klassenlehrerin, dass dadurch nicht nur die Kinder und die Lehrer in ihrer Rolle eine Änderung erfahren. Auch für die Eltern ändere sich durch diese Art des Unterrichtens einiges. Sie müssen ihr Kind in dessen Lernprozess wirklich zu jeder Zeit verantwortungsbewusst unterstützen. Und sie müssen  konstruktiv und interessiert mit der Lehrperson zusammenarbeiten. Denn nur durch den regelmäßigen Austausch kann es gelingen, den Entwicklungsstand des Kindes gemeinsam optimal zu ermitteln. Und nur so können passende Förder- und Fordermaßnahmen für das Lernen zuhause und im Unterricht abgeleitet werden und schließlich auch individuell benötigte Arbeitsmaterialien besorgt werden.

Ausblick auf den Tag der Observation

Vollgepackt mit neuem Wissen und vielen neuen Eindrücken fuhr ich anschließend nach Hause. Eine Woche später machte ich mich dann wieder gespannt und neugierig auf den Weg zur Montessori School Bali. Hier berichte ich weiter.

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